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Ivana Seger

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©2019 Emma hilft.

 Erwachsenen-Hospiz

Im Hospiz gibt es Gäste, keine Patienten.

Hospize sind eine sehr hilfreiche und unterstützende Alternative, wenn ein Mensch eine so schwere Krankheit hat, dass man von „austherapiert“ spricht und eine umfangreichere palliative Versorgung notwendig wird.


Ich weiß, dass alleine das Wort „Hospiz“ einem „den Boden unter den Füßen wegreißen“ kann. Und gerade deshalb möchte ich Ihnen Mut machen und Ihnen sagen, dass ein Hospiz eine wunderbare Einrichtung für die ganze Familie sein kann.
In einem Hospiz gibt es keine Besuchszeiten wie in einem Krankenhaus. Jeder Gast kann so viel Besuch haben, wie er möchte und so oft er das möchte. Die Angehörigen haben immer die Möglichkeit bei ihrem Liebsten im Zimmer zu verweilen – egal wie lange. Selbstverständlich darf jeder Ehepartner im Bett seines geliebten Angehörigen schlafen und wird dann von uns auch nicht gestört.


Es gibt keine regulären Essenszeiten, wie auch bei 12 Gästen? Schließlich hat jeder ein anderes Hungergefühl und auch das Recht darauf! Es gibt zwar in den Hospizen, die wir tiergestützt betreuen, in der Regel um die Mittagszeit Essen, aber das bedeutet nicht, dass dann jeder Gast zum Essen kommen muss.
Man kann sich das Essen zurückstellen lassen oder sich von seinen Angehörigen etwas kochen und mitbringen lassen. Manche Gäste bestellen sich regelmäßig in ihrem Lieblings-Restaurant ihr Essen und genießen es dann zu zweit im Zimmer. Andere kochen sich selbst etwas und wieder andere äußern einen besonderen Essenswunsch, den wir dann immer zu erfüllen versuchen.


Es gibt keine Aufsteh- oder Zubettgeh-Zeiten. Jeder darf aufstehen oder so lange liegenbleiben wie er das möchte.
Jeder Gast darf sein Zimmer individuell gestalten, Bilder aufhängen, in der eigenen Bettwäsche schlafen, Mobiliar mitbringen und aufstellen lassen und alles so verschönern, wie er das gerne möchte. Nur das Pflegebett ist nicht austauschbar.
Wir, die Pflegefachkräfte, sind so ausgebildet, dass wir als ausführende Organe Schmerzen und Symptome in Absprache mit den Palliativärzten durch Medika- mente lindern können. Doch diese Symptomlinderung ist nur ein ganz kleiner – wenn auch wichtiger – Part unseres Aufgabengebietes. Wir bemühen uns immer, die Wünsche der Gäste und auch der Angehörigen zu erfüllen. Und da gab es schon so einige Wünsche:


Herr E. wollte zum Beispiel noch einmal mit seinem geliebten Motorrad, das einen Beiwagen hatte, eine Tour machen. Klingt erstmal nach keiner großen Herausforderung für uns als Pflegefachpersonal und doch war es eine, denn der Gast war bettlägerig. Kolleginnen und Kollegen machten das Unmögliche möglich, indem sie einfach sein Bett vor die Türe fuhren, wo es noch einen Stromanschluss gab und Herrn E. dann mit dem Lifter in den Beiwagen transferierten. Herr E. hatte sich so sehr auf diesen Tag gefreut und war schon am Morgen richtig nervös. Ich werde sein Lächeln, als er mit seiner geliebten Frau wieder vor dem Hospiz vorfuhr, niemals vergessen. Er strahlte so sehr und konnte und wollte seine Tränen nun nicht mehr verbergen. Es waren keine Tränen der Traurigkeit, sondern vielmehr Tränen der Freude und der Dankbarkeit, die uns alle so sehr berührten.


Dann gab es Herrn B., der nochmals sein Elternhaus sehen wollte. „Ich würde so gerne nochmal einen Wein vor meinem Kamin trinken“, sagte er damals zu mir. „Hat Ihnen Ihr Vater von seinem Wunsch erzählt?“, wollte ich am nächsten Tag von seiner Tochter wissen und merkte schon bei der Frage, dass sie keine Ahnung hatte, wovon ich überhaupt sprach. Also erzählte ich ihr alles und die Tochter zögerte nicht lange und organisierte einen Krankentransport, rief bei den heutigen Besitzern des Hauses an und erzählte ihnen alles über den letzten Wunsch ihres schwererkrankten Vaters. Sie war fassungslos, als das ältere Ehepaar ihr zusagte. „Gibt es den Kamin überhaupt noch?“, fragte sie am Telefon und an ihren Tränen, die langsam aber sicher ihre Augen füllten, erkannte ich die Antwort, ohne dass ich sie gehört hatte. „Papa, ich würde gerne mit dir nach Königstein fahren“, sagte sie einen Tag später zu ihrem Vater und nun war er es, der kein Wort verstand. „Ich hoffe es war okay, dass ich Ihrer Tochter davon erzählt habe“, wollte ich von ihm wissen und da begriff er. Er konnte nichts sagen. Einen Tag später fuhr Herr B. mit seiner Tochter in sein Elternhaus und die neuen Besitzer hatten schon alles vorbereitet, berichtete mir später die Tochter. „Das Feuer im Kamin brannte schon, als wir ankamen und sein Lieblingswein stand auf einem Tisch. Es war so schön. Diesen Moment werde ich niemals vergessen! Er saß einfach nur da, schaute aus dem Fenster, trank seinen Wein und sah so glücklich dabei aus.“


Sicher, das Wort „Hospiz“ kann einen schon ganz schön verunsichern. Doch Unsicherheit kommt ganz oft aus Unwissenheit.
Ein Hospiz ist keine Sterbeeinrichtung. Es ist eine Herberge für alle Betroffenen und eine Einrichtung, in der jeder so sein darf, wie er nun mal ist und ohne, dass er dabei bewertet wird. Und jetzt frage ich Sie: In welcher Einrichtung sonst ist das in dieser Tiefe, mit dieser Empathie und so viel Herz möglich, ganz nach dem Motto „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?


Ein Hospiz ist ein Ort, wo man am Personal sieht und
vor allem fühlt, wie menschlich Menschen sein können und mit wie viel Seele sie dieser Aufgaben nachkommen und es kann ein Ort sein, wo sich manchmal sogar die geheimsten Wünsche und Träume erfüllen.